Termin

Sebastian Krämer

Samstag

13.

Oktober 2018

20 Uhr

"Im Glanz der Vergeblichkeit — Vergnügte Elegien"

Chanson

Man weiß nicht, wer mehr zu bedau­ern ist, der Jammerlappen oder die, die er nass macht – wäh­rend sich zeit­ge­nös­si­scher Deutschpop in der Exaltierung von Emotionen gefällt, ver­legt Sebastian Krämer sich aufs Gegenteil: bei­spiel­haf­te Contenance als Umzäunung bei­spiel­lo­ser Abgründe. Vergnügte Elegien (ein Genre, das zu die­sem Zweck eigens erfun­den wer­den muss­te) füh­ren den Beweis: Schlimmes kann durch­aus bekömm­lich sein – je nach­dem, wie man es anrich­tet.

Die Quellen, aus denen die­se etwas ande­ren Stimmungslieder schöp­fen, sind dun­kel. Dramatis per­so­nae: eine Puppe im Garten, eine Skulptur von Barlach, die Kinder einer geläu­ter­ten Hexe im Linienbus, Mops und Bienenstich. Was sich in den Augen die­ser Figuren spie­gelt wie die Lichter vor­bei­hu­schen­der Fahrzeuge bei Nacht, erreicht uns nur als dump­fe Ahnung. Mediale Katastrophen ver­stau­ben auf Wiedervorlage; Krämer macht sich sei­ne Sorgen noch sel­ber. Und wie sich das für Sorgen so gehört, ist er noch nicht mit ihnen fer­tig gewor­den. Unter der Oberfläche beschwing­ter Melodien und ele­gan­ter Erzählungen schwe­len Unheil, Trauer, Verlorenes, Vergebliches. Hobbys: in Kannibalen- Kochrezepten stö­bern und alte Deutschklausuren orches­trie­ren.

In den Kommentaren gibt sich Krämer kapri­zi­ös, in den Liedern lieb­lich bis derb. Sein musi­ka­li­sches Vokabular reicht von Swing bis Wiener Schule. Und je bur­les­ker die Fassade, des­to fili­gra­ner die Botschaft. Das ist Klagen auf hohem Niveau.

15,00 €